Betriebswirtschaftlich kann Angst als "körperlich-geistige Reaktion auf einen Stressor, der als bedrohlich empfunden wird" definiert werden.
Stressoren sind alle Faktoren bzw. Auslöser, deren Einwirken auf einen Organismus zu physischen und/oder psychischen Reaktionen bzw. Schäden führen.
Es gibt sehr viele verschiedene Bereiche der Angst. Die drei Angstformen, die hauptsächlich in Verbindung mit dem Beruf stehen, sind folgende:
Diese verschiedenen Angstarten können sich in der Berufspraxis überschneiden oder auch gegenseitig auslösen.
Mit ihnen sollen möglichst viele Aspekte von Ängsten im Beruf erfasst werden, jedoch ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Alle individuellen Ängste des Menschen, die auch im Betrieb vorkommen, lassen sich ohne eine solche Schwerpunktbildung kaum übersichtlich bearbeiten.
Leistungsängste
Sie werden auch als Versagensängste bezeichnet. Jede Gesellschaft hat ihre eigenen Wert- und Normvorstellungen. In unserer Gesellschaft wird auf gute Leistungen besonders viel Wert gelegt, weil es eine enge Verbindung zum Aspekt des sozialen Ansehens gibt. Leistungen werden meist positiv assoziiert, wenn sie zu Erfolgen und zu als gut empfundenen Handlungsergebnissen führen. Leistungen werden häufig negativ bewertet, wenn das Handlungsresultat subjektiv als schlecht und als Misserfolg eingeschätzt wird. Die Furcht vor den Konsequenzen von Misserfolgssituationen kann auf der Ebene des individuellen Verhaltens zu Versagensängsten führen. Daher kann ein enger Zusammenhang zwischen Leistungs- und Versagensängsten angenommen werden. Wie sich Leistungsängste auswirken, hängt vom Selbstvertrauen des Einzelnen in seine Möglichkeiten ab. Ist das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten groß genug, kann eine leichte Angst eventuell sogar dazu anspornen, sich besonders viel Mühe mit der bevorstehenden Aufgabe zu geben. Wer dagegen über nur wenig Selbstvertrauen verfügt, wird möglicherweise viel Zeit und Aufmerksamkeit darauf verwenden, sich Gedanken zu machen, ob das Ziel überhaupt erreichbar ist. Im Sinne einer "self-fulfilling-prophecy" wird eine solche Person in ihrer Handlung von ihren negativen Gedanken so stark beeinflusst, dass das tatsächliche Handlungsergebnis dem zuvor selbst prognostizierten weitestgehend entspricht.
Sich selbst erfüllende Prophezeiungen sind Vorhersagen über zukünftiges Verhalten oder für bestimmte Ereignisse, die die Interaktionen so beeinflussen, dass dadurch genau das produziert wird, was erwartet wurde.
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Soziale Ängste
Bei dieser Form der Angst bezieht sich die Bedrohung auf interpersonelle Beziehungen, d. h. auf Beziehungen zwischen Personen/Individuen. Hierbei löst das Verhalten anderer insbesondere dann Angst aus, wenn sich die Person beobachtet oder bewertet fühlt. Darin lässt sich eine enge Verknüpfung zur Leistungsangst erkennen, denn auch hier liegt die Gefahr in der Möglichkeit zu Versagen. Je wichtiger dem Menschen die soziale Situation ist, desto größer ist vermutlich auch die Versagensangst.
Neben dem Aspekt des Versagens gibt es bei den sozialen Ängsten eine weitere Parallele zur Leistungsangst. Sie besteht darin, dass Leistung schließlich meist im sozialen Kontext stattfindet. Es ist also schwierig in der Praxis herauszufinden ob die Bedrohung ausschließlich auf die gezeigte oder erwartete Leistung abzielt und sich damit auf der Sachebene (1) befindet oder ob sie der eigenen Person gilt und sich dann auf der Beziehungsebene (2) abspielt. Schwierig schon deshalb, weil häufig Probleme die eigentlich zur Beziehungsebene gehören auf der Sachebene ausgetragen werden oder umgekehrt. Dadurch, dass das tatsächliche Problem nicht angesprochen wird, kann es auch nicht gelöst werden. Oft ziehen sich solche unterschwelligen Konflikte über einen großen Zeitraum hinweg und belasten die Betroffenen.
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Existenzängste
Grundsätzlich ist mit Existenzangst die Angst vor Bedrohungen des eigenen Lebens und der Gesundheit gemeint, wie zum Beispiel die Angst vor dem Tod.
Für die betriebswirtschaftliche Situation ist allerdings eine etwas weiter gefasste Definition zweckmäßig. Im Berufsleben spricht man von Existenzängsten im Zusammenhang mit der enormen Einbuße von Lebensqualität. Einschränkungen in der Qualität des Lebens wären unter anderem dann gegeben, wenn das Unternehmen in Gefahr ist, Insolvenz anmelden zu müssen oder der Mitarbeiter mit dem Arbeitsplatzverlust rechnen muss. Zu den Existenzängsten im Beruf zählen jedoch auch Bedrohungen des Lebens, wie z.B. Krankheiten oder Arbeitsunfälle. All diese Gefahren würden Konsequenzen von großer Tragweite nach sich ziehen.
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(1) Die Sachebene vermittelt die Daten, also die Inhalte in einer Kommunikation (vgl. WATZLAWICK "Menschliche Kommunikation" (1996) S. 55)
(2) Die Beziehungsebene bestimmt, wie mit den Informationen der Sachebene umzugehen ist. (vgl. WATZLAWICK "Menschliche Kommunikation" (1996) S. 55